• Durchgebissen

Kinderchirurgie / Ösophagus Anomalie / Neonatologie / Dr. med. Petra Degenhardt

ELISABETH

Hochschwanger kam Ewa aus der Ukraine nach Deutschland. Ihre Frauenärztin hatte bei den routinemäßigen Untersuchungen schon einmal die Vermutung geäußert, dass es eine Komplikation beim Fötus geben könnte. Doch im Rahmen der Pränataldiagnostik - auch in Deutschland - sind Fehlbildungen der Speiseröhre sehr schwierig bis gar nicht zu erkennen.

Plötzlich ging für Ewa und ihren Mann alles schneller als erwartet. Die kleine Elisabeth kam im Juni 2014 in der 31. Schwangerschaftswoche mit nur 1390 Gramm in Cottbus zur Welt - also zwei Monate vor dem errechneten Geburtstermin. Die Neonatologen auf der Frühgeborenenstation waren es dann, die beim routinemäßigen Absaugen des Magens die Fehlbildung an Elisabeths Speiseröhre entdeckten.

Die Diagnose lautete komplizierte Ösophagusatresie. In Elisabeths Fall war die Speiseröhre nicht vollständig ausgebildet, sondern in der Mitte unterbrochen. Außerdem lagen die beiden Enden auch noch sehr weit auseinander und mussten zunächst durch Dehnung soweit verlängert werden, dass eine Verbindung überhaupt möglich wurde. Dass das schwerwiegende Auswirkungen hat, kann man sich vorstellen. Denn ohne eine durchgängige Speiseröhre kann ein Mensch nicht schlucken und auch kein Essen zu sich nehmen. Die kleine Elisabeth konnte daher nicht gestillt werden, sondern sie musste über einen speziellen Magenzugang durch die Bauchdecke ernährt werden.

krankheitsbild

Ösophagusatresie

Es handelt sich dabei um eine Fehlbildung (Atresie) der Speiseröhre (Ösophagus), die in zwei Formen vorliegen kann: als Unterbrechung der Speiseröhre mit zwei verschlossenen Enden oder als sogenannte Fistel, bei der ein Ende der Speiseröhre an die Luftröhre angewachsen ist. Es gibt aber auch Mischformen zwischen diesen beiden Typen. Fehlbildungen der Speiseröhre sind im Rahmen der Pränataldiagnostik sehr schwierig bis gar nicht zu erkennen. 

Frau Dr. Degenhardt beziffert die Häufigkeit auf eines von 2.500 bis 4.000 Neugeborenen, das mit dieser Fehlbildung auf die Welt kommt.

Nach der Operation muss das betroffene Kind regelmäßig alle sechs Monate noch mindestens fünf Jahre lang vom behandelnden Chirurgen nachkontrolliert werden. In größeren Abständen muss auch das Narbengewebe in der Speiseröhre gedehnt werden, so dass es nicht zu einem erneuten Verschluss kommen kann.

Weitere Informationen: http://keks.org/die-oeso.html

Zuklappen Aufklappen

Prof. Dr. Erler, vormals in Cottbus tätig und mittlerweile Ärztlicher Leiter am Klinikum Westbrandenburg in Potsdam (Kinderklinik der Klinikgruppe EvB), handelte sofort und überwies das Frühchen an das Kinderchirurgen-Team im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Mit dem Hubschrauber ging es von Cottbus nach Potsdam. Die Potsdamer Spezialisten der Kinderchirurgie wie Frau Dr. Degenhardt, die die Operation an der Speiseröhre vornahm, und das sehr erfahrene Schwesternteam auf der Kinderstation waren für ihn die beste Wahl in der Situation.

Die rettende Operation

Doch bevor die entscheidende Operation stattfinden konnte, musste die kleine Elisabeth erst einmal für die Strapazen eines chirurgischen Eingriffes fit gemacht und aufgepäppelt werden. Mehrere Monate lang wurde sie künstlich ernährt. In den langen Wochen des Hoffens und Bangens sind Elisabeth und ihre Eltern ein Teil der EvB Familie geworden, wie Frau Dr. Degenhardt erzählt. Jedes Mal, wenn Ewa mit Elisabeth heute zu den regelmäßigen Nachuntersuchungen ins EvB kommt, gibt es zur Begrüßung erst einmal eine herzliche Umarmung mit den Ärzten und Schwestern, die der Familie in der schweren Zeit beigestanden haben. Im Oktober 2014 war es dann soweit: In einer Operation konnte Frau Dr. Degenhardt die beiden Enden von Elisabeths Speiseröhre erfolgreich miteinander verbinden und so die Fehlbildung beheben. Die kleine Kämpferin konnte endlich essen und trinken. Heute, fast zwei Jahre später, ist Elisabeth ein aufgewecktes, neugieriges und freundliches Kind, das gerne Obst und natürlich Kekse isst.

Im Gespräch erzählt Mutter Ewa, dass ihr besonders gefallen hat, dass Frau Dr. Degenhardt jeden einzelnen Schritt der Behandlung ausführlich erklärt hat. Zum einfacheren Verständnis hat Frau Dr. Degenhardt aufgezeichnet, was genau in der OP passieren wird. So konnte sie nicht nur den Behandlungsplan wirklich verstehen und nachvollziehen, sondern vor allen Dingen Vertrauen und Hoffnung fassen, dass alles wieder gut werden würde. In einer so schwierigen Situation, wenn das Baby zu früh geboren wird und eine schwerwiegende Krankheit hat, ist ein vertrauensvolles Verhältnis zum behandelnden Arzt vermutlich das Allerwichtigste für die betroffenen Eltern. Darauf legt Frau Dr. Degenhardt, wie alle Kindermediziner der Klinikgruppe EvB, den größten Wert. Immer wieder hört man den Leitsatz: "Als Kinderchirurg hat man nicht einen Patienten, sondern drei - nämlich das Kind und dessen Eltern!"

zitat

Als Kinderarzt hat man nicht
einen Patienten, sondern drei –
das Kind und dessen Eltern!

Dr. med. Petra Degenhardt
Chefärztin der Klinik für Kinderchirurgie am EvB

Anfang Dezember 2014 konnte Elisabeth entlassen werden und endlich nach Hause kommen. Regelmäßig kommt ihre Familie, die nun in Potsdam wohnt, mit ihr für die notwendigen Kontrollbesuche mindestens alle sechs Monate zu Frau Dr. Degenhardt ins EvB. Da durch die Narbe an der Speiseröhre das Essen bis ins Erwachsenenalter eine Engstelle passieren muss und schlimmstenfalls steckenbleiben kann, muss die Narbe regelmäßig gedehnt werden. Beim Was? und Wie? in Sachen Speisen wird Elisabeths Mama daher auch in Zukunft noch Vorsicht walten lassen müssen.

Ewa lobt im Gespräch ganz ausdrücklich die Zusammenarbeit und die tolle Teamarbeit zwischen den Ärzten und Schwestern am EvB. In der Kindermedizin in Potsdam gäbe es keine starren Hierarchien, die dazu führen, dass die Ärzte als "Halbgötter in Weiß" auf das Pflegepersonal herabschauen. Stattdessen zeigten hier alle, vom Oberarzt, den Schwestern bis hin zum Reinigungspersonal Initiative und Engagement und fühlen sich für das Wohl des Patienten verantwortlich. Das ist ganz besonders wichtig, denn "die Schwestern sind die Augen der Ärzte", sagt Ewa, deren Mutter Krankenschwester war. "Aber auch über die kleinen Aufmerksamkeiten durch die Schwestern im Alltag, wie ein Pflaster in Herzform oder selbst gestrickte Socken für die Kleinen, freut man sich als Mutter sehr und fühlt sich gut aufgehoben."

  • portrait

    Dr. med. Petra Degenhardt
    Chefärztin der Klinik für Kinderchirurgie am EvB

  • Frau Dr. med. Petra Degenhardt ist die Kinderchirurgin, die die Fehlbildung von Elisabeths Speiseröhre korrigiert und mit ihrem Team die Familie während der ganzen Zeit im Klinikum EvB in Potsdam betreut hat.

    Frau Dr. med. Degenhardt ist seit fast 30 Jahren mit Leib und Seele Kinderchirurgin und seit mittlerweile zwei Jahren die Chefärztin der Klinik für Kinderchirurgie am EvB in Potsdam. Ihre Spezialgebiete sind die Neugeborenenchirurgie und die Kinderurologie. Bevor sie zum EvB nach Potsdam wechselte, war sie 27 Jahre lang in der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie an der Berliner Charité tätig. Am EvB schätzt sie vor allem, dass die Zusammenarbeit zwischen der Geburtsklinik und der Kinderklinik besonders gut und eng ist und die individuelle Betreuung von Patienten im Vordergrund steht. Auch der gegenseitige Austausch und die fachliche Zusammenarbeit der Kinderchirurgie mit den verschiedenen Spezialisten der Erwachsenenchirurgie am EvB, wie der HNO, der Urologie oder der Handchirurgie, ist laut Frau Dr. med. Degenhardt beispielhaft.

Nachdem Elisabeth sich so prächtig entwickelt hat und gerade zwei Jahre alt geworden ist, denkt Ewa darüber nach, wieder ins Berufsleben zurückzukehren. In der Ukraine war sie Englischlehrerin. Gerne möchte sie hier in Deutschland auch wieder etwas im Bereich Bildung machen.

Ewa und ihr Mann wollen in Zukunft noch weitere Kinder haben - die Wahrscheinlichkeit, dass es dabei wieder zu einer Fehlbildung in der Entwicklung des Fötus kommen kann, sei relativ gering, sagt Frau Degenhardt. Wir drücken der kleinen Kämpferin und ihrer Familie die Daumen für die Zukunft. Gemeinsam mit dem Potsdamer Ärzte- und Schwesternteam haben sie sich durch die schwere Zeit durchgebissen.

klinikinformation

Kinderchirurgie

Die Kinderchirurgie am Standort Potsdam ist in der Region Potsdam und auch im Süd-Westen Berlins die einzige Klinik, die dieses hohe chirurgische Versorgungslevel für Kinder anbietet. Die kinderchirurgische Klinik des EvB, die eng mit den Ärzten der Kinderklinik Westbrandenburg zusammenarbeitet, wird seit 

April 2014 von Frau Dr. med. Degenhardt geleitet und weiter ausgebaut.

Informationen, eine Übersicht über die durchgeführten chirurgischen Eingriffe und alle Sprechstunden und Kontaktdaten finden sie auf den Internetseiten der Kinderchirurgie Potsdam.

Internetseite der Kinderchirurgie Potsdam http://www.klinikumevb.de/kinderchirurgie

Zuklappen Aufklappen