• 2.000 Glücksmomente

Geburtshilfe / Kreißsaal / Perinatalzentrum Level I / Prof. Dr. med. Dorothea Fischer

Glücksmomente

Wenn selbst die Hebammen schwanger sind, dann kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, dass sich an der Geburtsklinik am EvB in Potsdam wirklich alles ums Kinderkriegen dreht und dass alle - egal ob Ärzte, Hebammen oder Schwestern - mit Leib und Seele dabei sind.

Wir haben die schwangere Cindy, die kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes steht, dabei begleitet, wie sie sich die Räumlichkeiten auf der Geburtsstation des EvB in Potsdam anschaut und mit Ärztin und Hebamme spricht. Eine Woche vor dem geplanten Geburtstermin kommen da noch einmal eine ganze Menge Fragen auf, die von Frau Prof. Dr. Fischer und Hebamme Nadine geduldig beantwortet werden.

Einchecken zum Entspannen und Ausruhen

In den Vorwehenräumen und den Kreißsälen herrscht eine ganz gemütliche, fast schon kuschelige Atmosphäre. Es ist gar nicht so klinisch und steril, wie man vielleicht denken könnte. Stattdessen gibt es überall Kissen und gedämpftes Licht, die vorherrschenden Farbtöne sind Pastell. Hier kann man sich gut vorstellen auch, einfach mal zum Entspannen und Ausruhen "einzuchecken". Mit den großen Geburtswannen und den Palmen hat das Ambiente den Touch eines Wellness-Hotels.

Beim Entlanggehen auf dem Flur merkt man aber ganz schnell wieder, wo man ist: auf einer Geburtsstation! Auch wenn wir scheinbar einen etwas ruhigeren Tag erwischt haben, kommen doch heute mehrere Babys auf die Welt. Und dass das nicht ohne Schmerzen vor sich geht, hört man. Umso wichtiger ist es für alle, die auf der Geburtsstation arbeiten, dass die Frauen sich wohlfühlen und die Geburt selbstbestimmt erleben können.

Das oberste Credo der leitenden Chefärztin der Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie Frau Prof. Dr. Fischer und des Chefarztes Herrn Dr. Köhler ist: Schwangerschaft und Geburt sind keine Krankheiten. Die Rolle des Arztes sehen beide darin, die Natur zu unterstützen. Im besten Fall ist ein Arzt bei einer Geburt zwar anwesend, aber eigentlich nur am Rande, während die Geburt von der Mutter mit Unterstützung ihrer Hebamme gemeistert wird. Dass das EvB besonderen Wert auf natürliche Geburten legt, erkennt man schon daran, dass hier im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt deutlich mehr Zwillinge auf natürliche Weise zur Welt kommen und nicht per Kaiserschnitt. Grundsätzlich liegt die Kaiserschnittrate am EvB in Potsdam mit 24% unter dem Bundesdurchschnitt von 31,8%.

  • reportage

    Einblick in den Kreißsaal des EvB Potsdam

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    Cindy im Gespräch mit Chefärztin Frau Prof. Dr. Fischer und Hebamme Nadine. Alle sitzen in einem der fünf Entbindungsräume des Kreißsaals.

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    Zwei Frauen unter sich: Cindy wird von Hebamme Nadine, die ebenfalls schwanger ist, untersucht.

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    Die Hebamme tastet den Bauch der werdenden Mutter ab.

Bei pränatal diagnostizierten Fehlbildungen, die sofort nach der Geburt operiert werden müssen oder wenn bei Risikoschwangerschaften doch einmal Komplikationen auftreten, können sich die Geburtshelfer am EvB darauf verlassen, dass direkt nebenan - nur getrennt durch eine Tür im OP - die Spezialisten der Neonatologie (Neugeborenenmedizin) jederzeit bereitstehen. Das zu wissen, ist für jede werdende Mutter beruhigend, bestätigt uns auch Cindy auf dem Rundgang durch den Kreißsaal - auch wenn die Kinderärzte am Ende nicht benötigt werden.

An der Natur orientiert sich auch die sogenannte Kaisergeburt, die am EvB seit einiger Zeit durchgeführt wird. Dabei wird versucht, den Geburtsvorgang einer natürlichen Geburt beim Kaiserschnitt nachzuempfinden, so dass die Mutter ihr Kind in dem Moment sehen kann, wenn es geholt wird. So soll die Mutter-Kind-Bindung von Anfang an gestärkt werden.

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    Prof. Dr. med. Dorothea Fischer

    Leitende Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am EvB

  • Seit September 2015 führt Frau Prof. Dr. Dorothea Fischer als Leitende Chefärztin die Geburtsklinik und Gynäkologie in Zusammenarbeit mit Dr. Köhler. Frau Prof. Dr. Fischer wechselte vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, wo sie am Standort Lübeck als stellvertretende Klinikdirektorin der Frauenklinik eingesetzt war, zum Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Sie hat, wie drei weitere Kollegen im Team, auch die spezielle Weiterbildung Pränatalmedizin und Geburtshilfe.

    Die Entscheidung nach Potsdam zu kommen, traf sie nicht zuletzt wegen des guten Rufes der Geburts- und Frauenklinik des EvBs in Medizinerkreisen und natürlich auch weil der Standort Potsdam mit seinen landschaftlichen Reizen, dem kulturellen Angebot und den vielen jungen Familien ein attraktiver Standort zum Leben und Arbeiten ist.

Frau Prof. Dr. Fischer erläutert für Cindy auch, welche zusätzlichen Begleitbehandlungen es gibt, die das Wohlbefinden von Gebärenden erhöhen können - zum Beispiel die Akupunktur oder auch Aromatherapie. Sich individuell auf jede werdende Mutter einzustellen und den Bedürfnissen der Gebärenden gerecht zu werden - das ist die große Herausforderung, der sich alle Hebammen, Ärzte und Schwestern der Geburtsklinik des EvB jeden Tag stellen wollen. Und das an 365 Tagen im Jahr, an denen im Schnitt circa fünf Babys pro Tag zur Welt kommen. Das sind fast 2.000 Glücksmomente im Jahr!

klinikinformation

Geburtshilfe in Potsdam

Die Geburtsklinik am EvB bildet zusammen mit der Kinderchirurgischen Abteilung und der neonatologischen Station des Klinikums Westbrandenburg ein Perinatalzentrum Level 1 - das größte im Land Brandenburg. Das bedeutet, dass rund um die Uhr die allerhöchste medizinische und operative Versorgungsstufe für Mutter und Kind gewährleistet wird.

Die Geburtsklinik, die im Haus F über der Kindernotaufnahme und der Wöchnerinnenstation in der 4. Etage liegt, verfügt über fünf kuschelig eingerichtete Kreißsäle und mehrere ebenso gemütlich eingerichtete Vorwehenräume und Stillzimmer. Das Gebäude wurde 2008 neu gebaut und eingerichtet. Dabei wurde besonders darauf geachtet, dass sich Geburtsklinik und Neonatologie Tür an Tür befinden, um nicht nur kürzeste Wege, sondern auch die bestmögliche Zusammenarbeit zwischen den Stationen zu ermöglichen.

Laut Frau Prof. Dr. Fischer macht es bei der Art und Weise, wie man Geburtshilfe betreibt einen großen Unterschied, wenn man als Arzt oder Hebamme weiß, dass man die besten Neonatologen gleich nebenan hat. Das Vertrauen des 40-köpfigen Teams von Ärzten und Hebammen auf der Geburtsstation untereinander und in der Zusammenarbeit mit den Kollegen der Neonatologie spielt dabei eine wichtige Rolle für das gemeinsame Ziel, alles für das Wohl von Mutter und Kind möglich zu machen.

Nicht zuletzt ist sich das Team der Geburtsklinik im EvB auch seiner Verantwortung gegenüber den niedergelassenen Ärzten und Hebammen in der Region bewusst. Auch hier ist das Ziel, an einem Strang zu ziehen, das heißt zum Beispiel für die Fragen und Anliegen der Ärzte und Hebammen offen und auch erreichbar sein. Oder den regelmäßigen Austausch unter Kollegen zu fördern.

Die Standards für Perinatalzentren Level 1, zu denen das EvB und das Klinikum Westbrandenburg gehören, sind streng. Neben der Erfüllung der vom Gesetzgeber definierten hohen Qualitätsanforderungen, richtet das EvB die Behandlung nach den Leitlinien der Fachgesellschaften aus und weist die Qualität der Arbeit durch unabhängige Qualitätsprüfungen regelmäßig nach. Denn im Notfall muss es schnell gehen und innerhalb von wenigen Minuten ein komplettes Team bereitstehen, wenn es heißt: Zwillingsgeburt per Kaiserschnitt.

Ausführliche Informationen rund um das Thema Geburt in Potsdam finden Sie auf der Website der Geburtsklinik des EvB.

Weitere Informationen unter www.geburtinpotsdam.de

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Trainiern am Geburtssimulator

Bei der Geburtshilfe spielt Erfahrung natürlich eine sehr große Rolle. Für eine werdende Mutter unter Wehen macht eine erfahrene Hebamme, die Ruhe und Souveränität ausstrahlt, den entscheidenden Unterschied in ihrem Geburtserlebnis.

Daher gilt für angehende Geburtshelfer, Hebammen oder Notfallmediziner: Übung macht den Meister. Je sicherer die Griffe sitzen und je mehr unterschiedliche Geburtssituationen sie durchlaufen haben, desto gelassener können sie auch in schwierigen Situation bleiben. In der Villa Bergmann in Potsdam, die das Ausbildungs- und Tagungszentrum des EvB beherbergt, gibt es eine in Deutschland noch recht selten anzutreffende Übungspuppe Victoria - wobei Puppe hier vielleicht ein wenig untertrieben ist.

Bei Victoria handelt es nämlich sich um einen lebensgroßen, programmierbaren und per Tablet steuerbaren Geburtssimulator. Victoria hat lebensechte Wehen und bringt mittels eines vorher programmierten Geburtsszenarios ein Baby zur Welt. Dabei spricht die Puppe in verschiedenen Sprachen und teilt mit, wo sie gerade Schmerzen hat, dass sie Angst hat oder sie schreit sogar vor Schmerzen. Ganz wie eine echte Frau, die in den Wehen liegt.

Durch diese außerordentlich naturgetreue und lebensechte Simulation der unterschiedlichsten Geburtssituationen können angehende Hebammen und Mediziner wertvolle Erfahrungen sammeln. So können sie zum Beispiel Situationen trainieren, die im Krankenhausalltag nur sehr selten vorkommen. Damit im Ernstfall, wenn wirklich jede Sekunde zählt und jeder Handgriff perfekt sitzen muss, auch alles so reibungslos wie möglich abläuft. Das Team der Geburtshilfe-Station am EvB trainiert daher regelmäßig verschiedene komplizierte Szenarien wie beispielsweise Entbindung von Beckenendlagen oder Schulterdystokien, wenn also die Schulter des Kindes nicht nachkommt.